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Office und das .NET Framework sind ein Gespann, das erst zueinanderfinden musste. Mit der aktuellen Version Office 2007, Visual Studio 2008 und den VSTO 3.0 kann der »Bund der Ehe« als geschlossen angesehen werden. Es war nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick, doch die Beziehung wuchs über die Jahre und bei etwas genauerem Hinsehen wird man zu dem Schluss kommen, dass die beiden so schnell nichts mehr auseinanderbringen wird und, das ist gerade für Sie als Leser eine gute Nachricht, beiden die besten Jahre noch bevorstehen. Jetzt muss nur noch der Rest der Welt von den Qualitäten des neuen Traumpaars überzeugt werden. Das fängt bereits bei der Namenswahl an. Statt Unified Developer Edition for Office 2007 (UDO), Enhanced VBA (EVA) oder Office Power Appliance (OPA) heißt der neue Partner von Office 2003/2007 Visual Studio Tools for Office, kurz VSTO (wie es bei Microsoft üblich ist, wird dieser Name vermutlich keinen allzu langen Bestand mehr haben). Doch dahinter steckt natürlich ein tieferer Grund. Die VSTO sind nicht der Nachfolger von VBA, sondern eine Erweiterung von Visual Studio und eine eigene Laufzeit als Aufsatz auf der Laufzeit des .NET Frameworks. VBA wird es als Makrosprache und als die nach wie vor schnellste und einfachste Variante, kleine bis mittelkomplexe Vorgänge zu automatisieren, noch eine Weile geben. Die VSTO sollen VBA nicht ersetzen, sondern lediglich eine Alternative anbieten. Die VSTO setzen auf einer etwas höheren Ebene an. Sie sind für typische Unternehmensanwendungen gedacht, bei denen es weniger darum geht, Office zu automatisieren, sondern Office-Anwendungen wie Excel, Word und Outlook als sogenannte Frontends für unternehmensspezifische Anwendungen zu benutzen. Microsoft hat für diesen (neuen) Typ von Anwendungen auch einen Fachausdruck geprägt: Office Business Application oder kurz OBA. Die VSTO 3.0 und Visual Studio 2008 (ein unzertrennliches Paar) sind das Werkzeug, mit dem OBAs entwickelt werden.
Der Umstieg von reinem VBA nach VSTO ist nicht ganz einfach. Am Objektmodell hat sich natürlich nichts geändert[], Visual Basic besitzt große Ähnlichkeiten zu VBA, sodass man es fast ein modernes »VBA 7.0« bezeichnen könnte (aber nicht sollte), und beim großen Visual Studio werden sich alle diejenigen, die sich an den VBA-Editor gewöhnt haben, schnell zu Hause fühlen. Die Herausforderung beim Lernen der VSTO und des damit verbundenen Entwicklungsstils besteht darin, dass der theoretische Unterbau deutlich größer ist als bei VBA. Dazu gehört der Umstand, dass ein .NET/VSTO-Programm grundsätzlich auf Klassen basiert, dass der Quellcode stets kompiliert wird (und es daher nicht möglich ist, ihn bei der Programmausführung einfach irgendwo zu unterbrechen) und dass eine VSTO-Anwendung »FullTrust-Berechtigungen« voraussetzt, die explizit erteilt werden müssen. Das und zahlreiche Kleinigkeiten sind Faktoren, die den Umstieg nicht immer zu einem Vergnügen machen.
[] Wie Sie später im Buch sehen werden, gibt es einige kleine Erweiterungen, die nur dem VSTO-Programmierer vorbehalten sind (etwa NamedRanges unter Excel oder Bookmarks unter Word).
Dieses Buch, in dem sehr viel Know-how steckt, soll Ihnen den Einstieg in die faszinierende Welt der VSTO-Entwicklung so einfach wie möglich machen, indem die Grundlagen möglichst behutsam erklärt werden und viele Beispiele dafür sorgen, dass die Theorie praxisnah präsentiert wird. Gegenüber dem Vorgänger, dem Office 2003-Entwicklerbuch, wurde das Buch komplett überarbeitet, ein wenig »entknotet«, neu strukturiert und mit vielen zusätzlichen Beispielen versehen. Insbesondere wurde es etwas stärker an die Bedürfnisse eines typischen VBA-Programmierers angepasst, wenngleich VBA-Kenntnisse nicht Voraussetzung für das Buch sind und die Beispiele genauso gut in C# hätten verfasst werden können.
Auch wenn die VSTO bereits in der Version 3.0 vorliegen, mit dieser Version geht es endlich erst so richtig los. Die Entwickler bei Microsoft haben eine Version abgeliefert, die, was die elementaren Bedürfnisse angeht, kaum Wünsche offenlassen sollte. Natürlich wird es irgendwann eine neue Version geben, bei der alles noch ein wenig besser ist, doch bis dahin ist noch ein bisschen Zeit und Sie können und sollten sich in Ruhe mit den zahlreichen Möglichkeiten beschäftigen, die die VSTO 3.0 zu bieten haben. Verlieren Sie bitte nicht gleich die Geduld, wenn der Start ein wenig holprig ist, im Vergleich zu VBA machen Sie mit den VSTO einen großen Sprung nach vorne.
Wir sind überzeugt, dass Sie mit dem Buch eine gute Wahl getroffen haben und dass es Ihnen beim Kennenlernen der VSTO und der neuen Art Office-Anwendungen zu programmieren ein zuverlässiger Ratgeber und Helfer sein wird.
Viel Spaß beim Kennenlernen der vielen neuen Themen wünschen Ihnen die Autoren
Peter Monadjemi, München, Mai 2008
Eckehard Pfeifer, Dresden, Mai 2008