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F. Ich habe nicht erwartet, dass das Buch mit Fragen und Antworten beginnt. Befinden sich diese nicht eigentlich am Ende eines Buchs statt am Anfang?
A. Normalerweise ist das so, ja. Deshalb ist dieser Abschnitt hier so unerwartet. In der CS2-Version dieses Buchs gab es keine Fragen und Antworten, sondern ich interviewte mich selbst. Ich habe mir selbst Fragen zum Buch gestellt und beantwortet. (Zum Glück kannte ich die meisten der Antworten. Bis auf zwei, aber die Fragen waren auch echt schwer.)
F. Wie verlief das Interview mit Ihnen?
A. Ich muss Ihnen sagen, ich fand mich wirklich faszinierend. Trotzdem dachte ich mir, dass ich mir für diese Ausgabe des Buchs etwas anderes überlegen muss. Deshalb habe ich die Idee mit den Fragen und Antworten aus dem Buch Adobe Photoshop Lightroom für digitale Fotografie übernommen. Ich habe viele tolle E-Mails von Lesern erhalten, denen diese Fragen und Antworten gefallen haben, weil: (a) diese so unerwartet waren, (b) ich mich nicht selbst interviewt habe und (c) sie so glücklich waren, etwas anderes als eine Einführung zu lesen.
F. Mögen die Leser Einführungen in Bücher nicht?
A. Sie machen Witze! Die Leser hassen Einführungen. Ich kann Ihnen sagen, dass die meisten Leser lieber eine medizinisch nicht notwendige Operation vornehmen lassen, als sich ein paar Minuten Zeit für die Einführung zu nehmen.
F. Woher wissen Sie das?
A. Weil jedes Jahr unzählige Leute solche Eingriffe vornehmen lassen. Im Kontrast dazu steht die Zahl 14 – denn nur so viele Personen haben in den Jahren 2005 bis 2007 tatsächlich die Einführung eines Computerbuchs gelesen.
F. Meinen Sie das ernst?
A. Natürlich nicht. Ich glaube, es waren eher 16 Personen.
F. Warum werden die Einführungen nicht gelesen?
A. Ich glaube, das liegt daran, dass in den meisten Einführungen nur versucht wird, dem Leser das Buch schmackhaft zu machen. Aber meine Einführungen sind nicht so.
F. Warum nicht?
A. Weil ich davon ausgehe, dass, wenn Sie das hier lesen, Sie sich das Buch bereits gekauft haben, richtig? Wenn wir Autoren also nicht einmal die Leser von der Einführung begeistern können, die sich das Buch bereits gekauft haben, was denken Sie, wie wenige es dann erst sind, die noch kein Geld dafür ausgegeben haben? Ich glaube, die Zahl geht gegen null. Dank der jahrelangen analytischen Studien wissen wir sogar die exakte Anzahl. Es sind genau zwei Personen (aber von denen lebt inzwischen nur noch eine).
F. Meinen Sie jetzt das, was ich denke, das Sie meinen?
A. Ja. Ich lüge Sie nicht an. Wir haben bereits so viel Zeit miteinander verbracht, da möchte ich ehrlich zu Ihnen sein. Sie lesen die Einführung dieses Buchs ja bereits. Okay, es heißt nicht »Einführung«, aber seien Sie ehrlich, haben Sie schon einmal von einem Fragen-und-Antworten-Abschnitt gehört? Und dann noch einem, der sich vor dem ersten Kapitel befindet? Das Traurige ist – ich wollte nur, dass Sie die Einführung lesen. Und Sie lesen sie immer noch. Viele haben jetzt vielleicht doch schon zum ersten Kapitel weitergeblättert, aber Sie nicht. Sie sind anders. Sie sind toll. Die Leute mögen Sie. Ich mag Sie. (Kaufen Sie das Buch.) Fremde finden Sie attraktiv. (Kaufen Sie das Buch.) Wilde Tieren werden zahm und laufen Ihnen nach. (Kaufen Sie das Buch.) Sie sind erfolgreich und haben Power. (Kaufen Sie das Buch.) Kaufen Sie dieses Buch. (Hoppla ...)
F. Aha – Sie haben also die ganze Zeit versucht, mir das Buch zu verkaufen!
A. Nein, auf keinen Fall. Denn die Statistik hat gezeigt, dass Sie das Buch bereits gekauft haben, wenn Sie das hier lesen.
F. Ach Mann!
A. Das ist keine Frage.
F. Ist der Rest des Buchs auch so?
A. Zum Glück nicht. Der Rest des Buchs beinhaltet Schritt-für-Schritt-Anweisungen ohne überflüssige Kommentare. (Mein Freund und Herausgeber Chris Main nennt es »folgerichtiges Schreiben«. Erinnern Sie mich dran, dass ich ihn feuern muss.) Wenn Sie Schritt-für-Schritt-Bücher wie dieses schreiben, gibt es keinen Platz für Ihren eigenen Schreibstil. Das geht dann eher so: »Wählen Sie aus diesem Menü das« und »klicken Sie dafür auf diesen Button«. In so einem Buch gibt es nur zwei Möglichkeiten, einen eigenen Stil einzubringen. Das ist zum einen dieser Fragen-und-Antworten-Teil und zum anderen sind das die Kapiteleinführungen, die selten etwas mit dem zu tun haben, was Sie im Kapitel erfahren.
F. Okay, also ist das Geschwafel ausschließlich auf diese Einführung und die Kapiteleinleitungen beschränkt, richtig?
A. Richtig! Ich habe bereits einiges ausprobiert, um meine Leser dazu zu bringen, die Einführungen meiner Bücher zu lesen. Das liegt daran, dass meine Einleitungen wirklich wertvoll sind. (Kaufen Sie dieses Buch.) Denn erstens erfahren Sie nur hier die Webadresse, unter der Sie sich die im Buch verwendeten Fotos herunterladen können, um die Übungen nachzuvollziehen. Aber es gibt noch einen wichtigeren Grund: Ich möchte, dass Sie so viel wie möglich aus diesem Buch herausholen – deshalb lernen Sie bereits in der Einführung einige Tipps und Tricks kennen. Das ist mir wichtig, denn schließlich investieren Sie Zeit und Geld in dieses Buch. (Vermissen Sie schon etwas von dem Geschwafel?) Aus diesem Grund habe ich mich extra für diese Fragen-und-Antwort-Technik entschieden. In einem Buch habe ich die Einführung auch schon einmal wie ein richtiges Kapitel aussehen lassen (und es »Kapitel 0« genannt), inklusive Screenshots, die absolut nichts mit dem Text zu tun hatten – aber es hat funktioniert. Ich habe viele E-Mails von Lesern bekommen, die diese Einführung gelesen und dabei viel gelernt haben. Aber ich habe auch einige sehr wütende E-Mails bekommen.
F. Wirklich – böse E-Mails?
A. Na ja, wenn Sie mit meinem Humor nicht klarkommen, dann erst recht nicht im großen Stil. So bekamen ich und mein Verleger E-Mails, in denen die verärgerten Leser ankündigten, dass sie schlechte Rezensionen über meine Bücher (und mich) schreiben werden. Manchmal haben sie sogar meine Mutter erwähnt. Das war manchmal sehr schmerzhaft, aber ich habe gelernt, damit umzugehen – Alkohol ist dabei ein sehr guter Freund. Keine Angst, das war nur Spaß. (Falls Ihnen die letzten beiden Zeilen absolut nicht gefallen und Sie jetzt doch etwas erbost sind, dann immer her mit den E-Mails.)
F. Das ist nun die vierte Ausgabe dieses Buchs. Was ist jetzt neu?
A. Ich bin überrascht, wie viel in dieser Ausgabe des Buchs neu ist – zumindest im Vergleich zu früheren Ausgaben. Die meisten der neuen CS3-Funktionen sind in diesen fünf Bereichen zu finden: (1) Bridge CS3, das jetzt so neu ist, dass ich beide Kapitel dazu vollständig umschreiben musste; (2) der neue Camera-Raw-Dialog, dessen Kapitel ich ebenfalls vollständig überarbeitet habe; (3) die Funktionen Panorama/Photomerge (inklusive Ebenen automatisch ausrichten) sind jetzt deutlich einfacher und wurden stärker automatisiert, so dass ich dafür weniger schreiben musste; (4) die neue Schwarzweißumwandlung und (5) die neuen Druckfunktionen (auch dieses Kapitel musste ich neu schreiben).
F. Gibt es neben den neuen Funktionen in CS3 weitere neue Inhalte?
A. Darauf können Sie wetten! Sie lernen viele neue Techniken kennen, inklusive einigen einfacheren und schnelleren Möglichkeiten, die Sie bereits aus früheren Ausgaben kennen. Außerdem habe ich einige brandneue Techniken eingebaut, die ich noch keinem gezeigt habe. Seit der letzten Ausgabe dieses Buchs habe ich sehr viel fotografiert und viele neue Photoshop-Techniken kennengelernt. Ich habe also viele neue Sachen in dieses Buch gepackt, die ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe. Am Ende des Buchs finden Sie ein spezielles Kapitel, in dem Sie meinen persönlichen Photoshop-Workflow kennenlernen. Ich hatte das Gefühl, dass das unbedingt noch mit in das Buch muss, auch wenn Sie im Rest bereits alles von den Gradationskurven bis zu Scharfzeichnen und eigenen Schwarzweißumwandlungen erfahren. In diesem Kapitel will ich Ihnen eben alles noch einmal gesammelt zeigen. Ich hoffe, Sie finden das sinnvoll. Das Buch ist also mit vielen neuen Tipps, Tricks und Funktionen ausgestattet, die ich in den letzten Jahren gelernt habe.
F. Wenn Sie all das neu hinzugefügt haben, müsste das Buch etwa 900 Seiten dick sein, richtig?
A. Das ist richtig, aber es soll ja kein Telefonbuch werden. Das Buch, das Sie jetzt in den Händen halten, ist etwas länger, als ich das eigentlich wollte, aber es ist auch wirklich schwer, zu entscheiden, welche Inhalte bleiben und welche werden rausgeschmissen. Diese Entscheidungen zu treffen, ist sogar noch schwerer, als das Buch zu schreiben. Und das ist das Problem: Es handelt sich um die vierte Ausgabe dieses Buchs. Wenn ich jedes Mal, wenn Adobe ein neues Photoshop-Update veröffentlicht, einfach nur die neuen Funktionen hinzufügen würde (und alles andere so belassen würde), hätte das Buch inzwischen rund 900 Seiten und würde fast 90 Euro kosten. Das Problem dabei ist, dass dann keiner mehr das Buch kaufen würde. (Ich selbst würde auch kein Buch mit 900 Seiten kaufen, egal, zu welchem Thema.) Das Gute ist, dass jede Ausgabe des Buchs immer besser und besser wird, ohne, dass das Buch dabei an Umfang zunimmt.
F. Sind diese »Bonus-Kapitel« nicht nur ein Marketing-Gag der Ölgesellschaften und der Regierung, um meine Aufmerksamkeit von den Problemen im Mittleren Osten abzulenken?
A. Ja.
F. Das ist eine überraschend ehrliche Antwort von jemandem, der mich ausgetrickst hat, damit ich diese Einführung lese.
A. Ich habe es Ihnen ja gesagt – ich wundere mich, dass Sie immer noch weiterlesen.
F. Muss ich das Buch der Reihenfolge nach lesen – also mit Kapitel 1 beginnen und dann mit der 2 etc. fortfahren?
A. Das Buch ist so gestaltet, dass Sie an jeder Stelle einsteigen können. Auch wenn die Kapitel einem professionellen Workflow folgen, verpassen Sie nichts, wenn Sie das Buch an einer beliebigen Stelle aufschlagen. Gehen Sie also gezielt zu den Techniken, die Sie erlernen wollen – Sie können immer folgen, keine Angst.
F. Wie haben Sie den Originalinhalt dieses Buchs entwickelt?
A. Ich habe jedes Jahr das Glück, Tausende professionelle Digitalfotografen auf der ganzen Welt zu schulen. Und auch wenn ich der Seminarleiter bin, lerne ich jedes Mal auch etwas Neues dazu. Fotografen lieben es, ihre Lieblingstechniken mit anderen zu teilen. In der Pause oder während des Mittagessens – irgendwer zeigt mir immer etwas Neues. Das ist eine schöne Art und Weise, etwas Neues zu lernen. Außerdem erfahre ich so aus erster Hand von Problemen und Herausforderungen im täglichen Umgang mit Photoshop. Ich weiß also immer ganz gut, was Fotografen lernen und wissen wollen. Und dadurch, dass ich auch selbst fotografiere, stoße ich hin und wieder auf Probleme und entwickle Möglichkeiten, diese schnell und einfach zu lösen. Das liegt daran, dass ich (wahrscheinlich wie Sie) nicht so viel Zeit vor dem Computer, sondern eher mehr Zeit mit dem Fotografieren selbst verbringen möchte! Sobald ich also einen neuen Trick herausgefunden oder eine neue Technik entwickelt habe, möchte ich mein Wissen mit anderen Fotografen teilen. Das ist krankhaft, ich weiß.
F. Was befindet sich nicht in diesem Buch?
A. Ich habe versucht, Dinge, die Sie auch in jedem anderen Photoshop-Buch finden, außen vorzulassen. Es gibt beispielsweise kein Kapitel über die Ebenen-Palette oder die Malwerkzeuge oder die 110 Filter von Photoshop. Ich konzentrierte mich auf das Wesentliche – das, was für Fotografen am wichtigsten ist. Es soll schließlich auch Spaß machen.
F. Ist es egal, ob ich mit Mac OS oder Windows arbeite?
A. Ja. Photoshop ist auf beiden Systemen so gut wie identisch – das Buch richtet sich also auch an Leser für beide Plattformen. Da sich jedoch die Tastaturen zwischen Mac und PC leicht unterscheiden, habe ich immer beide Tastaturkurzbefehle aufgelistet.
F. Welchen Rat geben Sie erfahreneren Photoshop-Anwendern, die dieses Buch lesen?
A. Ich möchte sie auf Eines aufmerksam machen: Da sich dieses Buch an Photoshop-Nutzer der verschiedensten Lernstufen richtet, möchte ich diejenigen bitten, die sich bereits etwas besser mit dem Programm auskennen, sich nicht stören zu lassen, wenn ich immer alles ausformuliere. So sage ich beispielsweise nicht »Öffnen Sie die Gradationskurven«, sondern »Wählen Sie Bild/Anpassungen/Gradationskurven«. So kann wirklich jeder meinen Ausführungen folgen – beispielsweise auch die, die gerade erst von analog auf digital umsteigen. Viele dieser traditionellen Filmfotografen sind brillant und talentiert, aber da sie gerade erst auf die digitale Technik umsteigen, kennen sie sich vielleicht noch nicht so mit Photoshop aus. Da ich diese Fotografen weder ausschließen noch es ihnen unnötig schwer machen möchte, formuliere ich alle Anweisungen aus. Ich weiß, dass Sie dafür Verständnis haben.
F. Wo kann ich mir die Fotos herunterladen?
A. Sie können sich die Bilder von der zum Buch gehörigen Website laden (www.scottkelbybooks.com/cs3book). Natürlich sollten Sie die hier gezeigten Techniken auf Ihre eigenen Bilder anwenden. Wenn Sie jedoch erst einmal mit meinen üben wollen, werde ich es niemandem verraten. Obwohl ich die meisten Fotos für das Buch selbst fotografiert habe, habe ich mir bei iStockphoto.com die Erlaubnis für die Verwendung einiger Fotos eingeholt (besonders im Kapitel der Porträtretusche, denn es ist schwierig, die Fotos von Leuten zu retuschieren, die Sie kennen). Ich bin iStockphoto.com also sehr zu Dank verpflichtet, besonders dafür, dass ich die verwendeten Fotos auch weitergeben kann, damit Sie damit üben können. Bitte statten Sie deren Website auch einen Besuch ab – es lohnt sich. Und wenn Sie einmal dort sind, können Sie auch gleich noch ein bisschen Geld da lassen. Ich habe einen Stapel Geld fotografiert und das Bild hochgeladen. Es sollte sich dann in richtiges Geld verwandeln.
F. Scott, ich muss Ihnen ehrlich sagen, dass ich sehr skeptisch war, was diesen F&A-Abschnitt anbelangt. Aber Sie hatten Recht, er enthielt viele sehr nützliche Informationen, zu denen ich keinen Zugang gehabt hätte, wenn ich gleich mit Kapitel 1 begonnen hätte.
A. Danke, dass Sie mich das wissen lassen. Es bedeutet mir viel, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Ich glaube, wir sind jetzt miteinander verbunden, und hoffe, dass diese Verbindung bei jeder Kapiteleinleitung noch einmal aufgefrischt wird.
F. OK, kann ich jetzt anfangen?
A. Aber natürlich. Sie haben Ihre Pflicht und Schuldigkeit getan. Sie haben mir Ihre Zeit gewidmet. Sie haben das Unerwartete erfahren. Erstellen Sie jetzt ein paar großartige Bilder. Ich weiß gar nicht, wie ich das hier schön zu Ende bringen soll – am besten, Sie blättern einfach weiter. Ich verspreche Ihnen, ich werde nicht noch einmal darauf zurückkommen.