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Kapitel 7. Interpretationen zur Reifegra... > Wie werden Reifegradstufen gemessen?

7.2. Wie werden Reifegradstufen gemessen?

In einem Assessment wird der real ausgeführte Prozess mit den Indikatoren des Assessmentmodells verglichen und darauf basierend die Erfüllung der Prozessattribute bewertet. Zur Ermittlung der Reifegradstufe eines Prozesses fordert die ISO/IEC 15504-2 die Bewertung der Erfüllung der Prozessattribute mittels folgender vierstufiger Bewertungsskala:

  • N (Not achieved bzw. nicht erfüllt), entspricht 0–15 %.

    Es gibt keine oder geringe Anzeichen der Erfüllung des definierten Attributs bei dem assessierten Prozess.

  • P (Partially achieved bzw. teilweise erfüllt), entspricht 16–50%.

    Es gibt einige Anzeichen für eine Vorgehensweise und eine teilweise Erfüllung des definierten Attributs in dem assessierten Prozess. Einige Aspekte der Erfüllung des Attributs können unvorhersagbar sein.

  • L (Largely achieved bzw. überwiegend erfüllt), entspricht 51–85%.

    Es gibt Anzeichen für eine systematische Vorgehensweise und eine signifikante Erfüllung des definierten Attributs in dem assessierten Prozess. Im assessierten Prozess können einige Schwächen bezüglich des Attributs existieren.

  • F (Fully achieved bzw. vollständig erfüllt), entspricht 86–100%.

    Es gibt Anzeichen für eine vollständige und systematische Vorgehensweise und eine volle Erfüllung des definierten Attributs in dem assessierten Prozess. Im assessierten Prozess gibt es keine signifikanten Schwächen bezüglich des Attributs.

    NOTE

    Hinweis für Assessoren

    Obwohl die Norm lediglich eine Bewertung der Prozessattribute vorsieht, werden in der Assessmentpraxis meistens auch Basispraktiken und generische Praktiken mittels der N/P/L/F-Skala bewertet, da dies eine objektive und nachvollziehbare Bewertung sehr gut unterstützt. Bei der Bewertung der Basispraktiken werden auch die Existenz und Qualität der Arbeitsprodukte berücksichtigt, da diese durch die Basispraktiken erzeugt bzw. bearbeitet werden.

    Viele Assessmentverfahren bilden einen Mittelwert der Bewertung der Basispraktiken als Anhaltspunkt für die Bewertung von PA 1.1 sowie einen Mittelwert der Bewertung der generischen Praktiken für die Bewertung der anderen Prozessattribute. Assessmenttools berechnen sogar eine prozentuale Erfüllung des Prozessattributs aus dem Mittelwert der prozentualen Erfüllungen der einzelnen Basispraktiken bzw. der generischen Praktiken. Diese Methode kann jedoch immer nur als Anhaltspunkt dienen, da die Basispraktiken in der Regel nicht gleichgewichtig sind und auch in der individuellen Situation eine unterschiedliche Gewichtung haben können. Gleiches gilt für die generischen Praktiken.

    Diese Problematik spielt besonders in Grenzfällen eine Rolle, wenn z.B. durch ein Assessmenttool ein Erfüllungsgrad von 50% (=P) vorgeschlagen wird und die Diskussion aufkommt, ob es nicht doch 51% (=L) sein könnten. Das Assessmentteam muss daher – insbesondere in solchen Grenzfällen – die Erfüllung des Prozessattributs im jeweiligen Kontext anhand der verbalen Charakterisierung der N/P/L/F Skala bewerten (siehe oben) und nicht etwa alleine aufgrund einer von einem Assessmenttool ausgeworfenen Prozentzahl. Dabei ist auch zu beachten, dass die generischen Praktiken keineswegs ein genaues Spiegelbild der Charakteristika der Prozessattribute darstellen, sondern sehr viel detaillierter sind. Manche Details (die eventuell bei der generischen Praktik bewertet wurden) fallen auf der übergeordneten Ebene des Prozessattributs weg. Gleiches gilt für den Spezialfall der PA 1.1, die in ihrer Bewertung auf die Prozessergebnisse abzielt. Die Basispraktiken sind ebenfalls kein genaues Spiegelbild der Prozessergebnisse, analog zu den obigen Ausführungen.

    Zur Berechnung des Reifegrads aus den Bewertungen der einzelnen Prozessattribute gibt ISO/IEC 15504-2 ein »process capability level model« vor. Nach diesem gilt:

  • Die PAs der betreffenden Reifegradstufe müssen mindestens mit L (»überwiegend erfüllt«) bewertet sein, um diese Stufe zu erreichen.

  • Alle PAs aller darunter liegenden Stufen müssen mit F (»vollständig erfüllt«) bewertet sein.


  

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