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Vorwort von Andreas Spillner

Vorwort von Andreas Spillner

»TMap Next« – die praxisorientierte Aktualisierung

»Test First«, »Test Driven Development«, »Extreme Programming« und andere Ansätze sind seit einiger Zeit als neue Vorgehensweisen bei der Entwicklung und beim Testen von Software viel diskutiert und werden in der Praxis ausprobiert und eingesetzt. Bei näherer Betrachtung der Ansätze ist festzustellen, dass das Testen wenig methodisch durchgeführt wird. Komponenten werden im Unit-Test durch von Entwicklern erstellte Testfälle geprüft und auch beim Akzeptanztest des Kunden wird keine systematische Auswahl der durchzuführenden Tests gefordert oder unterstützt.

Der Einsatz von Testfallentwurfsverfahren, die vorbereitenden Testaufgaben, wie das Erstellen eines Testkonzeptes, eine Verteilung der Testaktivitäten auf kritische Systemteile usw., finden bei diesen Ansätzen keine Berücksichtigung. Diese Aufgaben sind aber bei der Entwicklung von Softwaresystemen, die einem Mindestmaß an Qualität genügen müssen, unverzichtbar und sind keine »alten Hüte«, die abgelegt werden können.

Einen großen Vorteil haben die neuen Vorgehensweisen allerdings: Sie haben das Bewusstsein für das Testen geschärft, über das Testen wird in vielen Firmen viel intensiver nachgedacht als früher und das Testen wird nicht mehr als späte Phase der Softwareentwicklung angesehen.

»TMap« verfolgt einen strukturierten Ansatz und kann auf viele Jahre erprobten und erfolgreichen Einsatz in der Praxis zurückblicken. Zum Testen gehört weit mehr als das Aufstellen und Durchführen von wenigen und nicht systematisch hergeleiteten Testfällen.

»TMap« unterstützt den gesamten Testprozess: Von der Planung der Testaktivitäten und der Auswahl der einzusetzenden Testfallentwurfsverfahren, der Spezifikation der Testfälle, der Durchführung der Testfälle nebst Protokollierung und des bewertenden Abschlusses, um nur einige der notwendigen Aktivitäten im Testprozess zu nennen. Darüber hinaus werden die Aufgaben des Testmanagements detailliert dargestellt und die Testmanagerin findet viele nützliche Hilfestellungen bei der Bewältigung der täglichen Herausforderung.

Bereits in den 90-er Jahren war mir die große Bedeutung von »TMap« für die Praxis bewusst, so dass ich die Verbreitung aktiv unterstützt und an der ersten deutschen Buchversion als Koautor mitgewirkt habe. Viele der »TMap«-Ideen und -Konzepte sind mittlerweile unter den führenden deutschen Testexperten allgemein akzeptiert.

»TMap Next« greift die Erfahrungen mit »TMap« aus dem letzten Jahrzehnt auf und ist auf die aktuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Eine Geschäftsprozess-orientierte Ausrichtung des Testprozesses gehört ebenso dazu, wie die Anpassbarkeit des Vorgehens an unterschiedliche Vorgehensmodelle der Softwareentwicklung, wie agile Entwicklung, die Integration von fertigen Softwarekomponenten oder von ERP-Anwendungspaketen. Die Auswahl der Testaktivitäten und deren Intensität werden auf Grundlage einer ausführlichen Riskoanalyse festgelegt. In der Praxis hat sich die Notwendigkeit, solche Aspekte im Testprozess zu berücksichtigen, immer stärker herauskristallisiert. »TMap Next« trägt diesen aktuellen Anforderungen der Praxis voll und ganz Rechnung und schließt somit eine entscheidende Lücke in der bisherigen Methodenlandschaft.

Ich setzte mich schon seit vielen, vielen Jahren mit dem Prüfen und Testen von Software auseinander — in Forschung und Praxis. Meine heutige Erfahrung: Auch vermeintlich »alte Hüte« kouml;nnen sehr gute Dienste leisten, besonders, wenn sie auf die neuen Anforderungen hin »aufgearbeitet« sind. In diesem Sinne ist »TMap Next« absolut kein alter Hut — ganz im Gegenteil, eine sehr willkommene Aktualisierung weiterhin gültiger Ansätze. In der Informatik verfallen wir leider allzu oft dem »Run« nach dem neusten »Hype« und übersehen dabei gute und in der Praxis erprobte Verfahren, deren umfangreicher Nutzen schon vielfach nachgewiesen ist.

Mein Kommentar zur englischen Ausgabe des Buches gilt selbstverständlich auch für die Übersetzung: »The <new> TMap standard is very useful to solve the testing problems of today and tomorrow«.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Erfolg bei der Umsetzung der vielen nützlichen Ansätze und Anregungen für den Testprozess, die in dem Buch zu finden sind.

Prof. Dr.-Ing. Andreas Spillner

Bremen, November 2007